Tipps für Deguneulinge

Hier erhaltet Ihr einen Überblick mit meinen persönlichen Tipps zu den drei wichtigsten Themen der Deguhaltung: Deguheim, Ernährung und Vergesellschaftung.

Bevor die neuen Hausbewohner bei Euch einziehen… 

Für neue Deguhalter ist es nicht immer ganz einfach den Überblick zu behalten, was bei der Deguhaltung grundsätzlich beachtet werden muss. Zudem ist die Beratung in Zoofachgeschäften oft falsch und Informationen im Internet widersprüchlich.
Hier erfahrt Ihr in einem Überblick konkrete Tipps zur Haltung und Fütterung.
Bitte nicht vergessen: die hier angesprochenen Themen und Tipps spiegeln natürlich nur meine eigene Sichtweise (als Tierärztin und langjährige Deguhalterin) wieder. Es gibt sicherlich zu manchen Themen auch andere Ansichten, die natürlich nicht grundsätzlich falsch sind, nur weil sie nicht hier aufgeführt sind.

1) Das Deguheim
Degus sind wirkliche Extremnager. Holz und Kunststoffe jeder Art werden benagt und deren Kleinteile durchaus auch mal abgeschluckt. Deshalb haben Gegenstände oder gar Käfigteile aus Plastik grundsätzlich nichts in Deguheimen zu suchen und Holzteile müssen regelmäßig erneuert oder “degusicher” gebaut werden.
Für eine Gruppe von ca. 2-3 Degus empfehle ich folgende Käfiggrößen:
-> Ungefähre Mindestmaße für eine Voliere/Drahtkäfig: Grundfläche 0,5 qm, Höhe 1,50 m
Dennoch rate ich dazu mindestens eine Gruppe von 3-4 Degus zu wählen, da Degus erst dann ihr Sozialverhalten wirklich ausleben können (und übrigens auch die Beobachtung der Tiere viel lustiger anzuschauen ist). Zudem könnte es später schwierig werden noch einzelne Tiere dazu zu vergesellschaften.
Mein Tipp: Käfig aus Metall von https://zooshop-online.com oder der fast baugleiche Käfig Savic Suite Royal von www.zooplus.de (es gibt mehrere Varianten dieses Käfigs, bitte unbedingt auf die genaue Größe und die Gitterabstände achten!) halte ich für einen guten Anfängerkäfig. Tolle Volieren nach Maß gibt es auch bei der Kleintiervilla oder bei Holzvillen für Nager, diese sind nicht ganz billig, aber von sehr guter Qualität.
-> Ungefähre Mindestmaße eines Nagerterrariums: 1,50 m Länge, 60×60 cm. Aber bitte beachten: diese Maße gelten nur für Terrarien bzw. Deguheime, die stets ihre lange Seite quasi “auf dem Boden” haben. Diese Mindestmaße würde ich zudem dauerhaft nur für 2 Tiere empfehlen.
(Wie gesagt: das sind meiner Ansicht nach die Mindestmaße. Mit jedem weiteren Tier sollte das Deguheim natürlich etwas größer bzw. erweitert werden.
Auf ein paar cm mehr oder weniger kommt es sicherlich nicht an, solange die Einrichtung vielfältig und interessant für die Nager gestaltet wird. Ich habe schon 2 m hohe Volieren gesehen, die aus nur zwei einsamen Etagen mit Häuschen und ein wenig Ästen bestanden. Und dazu im Gegensatz war ich schon begeistert von – im Grunde etwas zu kleinen – Terrarien, die aber den Degus einen richtig tollen Abenteuerspielplatz und ausreichend Abwechslung geboten haben. Versucht aus der Sicht eines Degus zu sehen: 10-20 cm mehr Grundfläche sorgen für einen Nager, der in freier Natur täglich 1-2 km zurück legt, nicht unbedingt für mehr Bewegungsfreiheit. Ein gutes Laufrad jedoch erhöht deutlich die körperliche Gesundheit des Degus.

Degus leben in freier Natur hauptsächlich am Boden und ihren selbstgebauten Tunnelsystemen, lieben es jedoch Hügel oder Büsche als Wachposten und Klettergelegenheit zu nutzen. Meiner Ansicht nach sind verschiedene Etagen im Deguheim deshalb wichtig. Ich bin jedoch der Meinung, dass es keinen so großen Unterschied macht, ob diese Etagen nun “Volletagen”, “Halbetagen” oder auch mal viele kleinere Kletteretagen sind.
Eine gute Mischung macht’s! -> Eine ausreichend große Bodenplatte, unterschiedlichen Etagen und ein gutes Laufrad sorgen zusammen dafür, dass der Degu seinen Bewegungstrieb ausleben kann und der Körper auf unterschiedliche Art und Weise gefordert und trainiert wird. Achtet jedoch unbedingt darauf, dass sich die Nager bei einem möglichen Sturz aus der Höhe nicht verletzen können!

Folgende Einrichtungsgegenstände sollten deshalb meiner Meinung nicht fehlen:
– Laufrad aus Holz oder Metall mit mind. 30 cm Durchmesser (besser 38 cm oder größer!).
Mein Tipp: Metalllaufräder von www.laufradschmiede.de , Laufradschrauber (nur über Ebay zu bestellen) oder www.tictacwheels.co.uk sind prima für Degus geeignet und halten ein Leben lang. Ich empfehle jedem Deguhalter lieber gleich ein solch hochwertiges Metallrad zu kaufen: Holzlaufräder werden eigentlich immer schon nach wenigen Wochen zernagt sein.
– Holzhäuschen gefüllt mit Heu
– Stets mehrere Etagen; idealerweise mit Lack (Spielzeuglack aus dem Baumarkt) und Nageschutz in Form von Metallschienen versehen, oder die Verwendung von unbedenklichen Siebdruckplatten als Brettchen (z.B. Reste-Brettchen aus dem Baumarkt: sehr zu empfehlen, da abwaschbar, robust und nicht teuer!).
– Kork- oder Tonröhren, dickere Äste, sandgestrahlte Weinreben, große Wurzeln, frische Zweige
Mein Tipp: Korkröhren und Wurzeln bei www.zooplus.de sind meiner Erfahrung nach die besten vom Preis/Leistungsverhältnis. Günstige Tonröhren gibt es im Baumarkt zu kaufen (Weinflaschen-Aufbewahrung).
– Eine Ecke dick mit Heu+Nistmaterial (ideal: Kombination aus zerrupftem Küchenpapier, leichter Einstreu und zerrupften Hanfmatten) einrichten.
Mein Tipp: Kuschelsack oder Grasnest umgekehrt in einer Ecke ganz oben im Deguheim befestigen. Hängematten aus Fleece, z.B. von www.kuschelnager.de, mögen viele Degus gern, ohne dass sie daran nagen (das sollte allerdings kontrolliert werden, da es immer mal Gruppen gibt, wo das nicht möglich ist). Meine Gruppen lieben es tagsüber dort zu dösen!
– Sandbad mit Chinchilla-Badesand (mind. 1x/Woche frisch in den Käfig stellen)

Mein spezieller Tipp, falls Euer Käfig nicht ganz den Mindestmaßen entspricht: Lasst Euch einen Aufsatz bauen oder baut selber einen! Z.B. lassen sich diese Aquarienaufsätze von Moebel-Muemmelmann  oder Würfelelemente von www.derkaefig.de ebenso auf oder neben Käfige montieren.

2) Die Ernährung
Zunächst einmal sind Degus leider sehr anfällig für Diabetes und dürfen deshalb grundsätzlich kein Obst, Brot, Zucker oder zu stärkehaltige Futtermischungen fressen.
In freier Natur leben die Nager in einer kargen hügeligen Landschaft mit Sträuchern, einzelnem Baumbewuchs und vielen Gräsern.
Die ideale Nahrung für Degus besteht davon abgeleitet in etwa aus:
– ca. 60% frischem (!) Heu, Blättern, ungiftigen Pflanzen von der Wiese, Äste mit frischer Rinde und Kräutern.
– Rest: z.B. eine Mischung aus ölhaltigen Körner/Sämereien (ohne Nüsse, nur wenig Sonnenblumenkernen oder Johannesbrotbaum; erstere sind zu kalorienreich, letzteres enthält Zucker, sowie möglichst keine Pellets), trockenen Blüten+Blätter und Gemüse (z.B. sind Erbsenflocken gesund und bei Degus beliebt).
Mein Tipp: Nach wie vor gibt es leider nicht die ideale Futtermischung für Degus. Grundsätzlich lässt sich aber grade für Deguneulinge das Futter von JR Farm “Degu Spezial” empfehlen (online zu bestellen z.B. über www.futterparadies.de). Dieses sollte jedoch max. 30% des Hauptfutters ausmachen und idealerweise vorher mit einer guten Menge trockener Kräuter, Blätter und Blüten vermischt und erst dann verfüttert werden (z.B. erhältlich bei Hansemann oder dem Deguladen, Links siehe weiter unten im Text). Frisches oder getrocknetes Gemüse (außer Kohlarten), sowie vor allem im Sommer frische Äste mit Blättern und ungiftige Pflanzen von der Wiese runden das Futterangebot ab.
Sehr zu empfehlen sind meiner Ansicht nach auch die SAB Pflanzen- und Saatenmischungen für Degus von www.hansemanns-team.de. Diese sind jedoch nicht ganz billig, werden aber von den Degus wirklich gern gefressen und wurden von einer internationalen Degu-Vereinigung (Degus International Community) entwickelt, um eine möglichst perfekt zusammengestellte gesunde Mischung für Degus für Futterhersteller oder Privatleute empfehlen zu können (Fütterungsmenge: Pflanzenmischung unbegrenzt, Saatenmischung 2-4g/pro Degu/Tag).
Sobald Ihr ein Gefühl dafür bekommen habt, was Eure Degus mögen und welche Mengen sie täglich verputzen, ist es aber durchaus empfehlenswert, dass Ihr Euch das komplette Degumenü (ähnlich zusammengesetzt wie die SAB Mischung) selbst aus den einzelnen Bestandteilen zusammenmischt. Ideal sind dafür z.B. die angebotenen Futterbestandteile oder Mischungen vom www.deguladen.de, der selbst von erfahrenen Deguhaltern geleitet wird. Insbesonders gesunde Leckerchen findet Ihr ebenfalls dort!
Frisches Heu und Wasser in einer handelsüblichen Kleintiertränke (in diesem Fall geht in der Regel auch eine aus Kunststoff) sollten selbstverständlich im Deguheim niemals fehlen. Ich persönlich halte nicht viel von Trinknäpfen. Diese sind selbst bei täglichem Wasserwechsel viel zu schnell mit Keimen belastet.

Fütterungsempfehlung für Degus als pdf zum Ausdrucken: click

NEU (Juli 2020): Eigener Artikel als pdf zum Thema: “Das Problem der artgerechten Fütterung von Degus in der Heimtierhaltung

 

3) Vergesellschaftung von Degus
Da eine Vergesellschaftung von fremden ausgewachsenen Degus nicht einfach und manchmal auch nahezu unmöglich ist, empfiehlt es sich für neue Deguhalter unbedingt eine schon bestehende gleichgeschlechtliche Gruppe zu nehmen. Dabei sollte das Geschlecht der Gruppe nicht entscheidend sein. Sowohl Männchen, als auch Weibchen leben, getrennt gehalten, in Gruppen grundsätzlich friedlich zusammen. In der Pubertät kann es jedoch in beiden Gruppen zu Streitereien/Zickereien kommen.

Aber wie geht man nun vor, wenn man ein neues Tier in eine bestehende Gruppe integrieren möchte?
Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, dass eine erfolgreiche Vergesellschaftung von Degus so gut wie ausschließlich über den Geruchssinn läuft. Im Grunde müssen die Tiere im ersten Schritt lernen den fremden Geruch des jeweiligen oder der jeweiligen anderen Tiere nicht als akute Bedrohung zu empfinden.
Dazu eignet sich für Anfänger am besten die sog. Käfig-Wechsel-Methode, in der zwei Käfige oder abgeteilte Käfigbereiche dafür sorgen, dass sich die Tiere erst einmal nur an einem gemeinsamen Käfiggitter direkt beschnuppern können. Meist bekommt man da schon einen ersten Eindruck, ob die Tiere sich grundsätzlich mögen (-> manche Degus zwitschern sofort drauf los) oder ob sich vielleicht zwei dominante Alpha-Tiere gegenüber stehen (-> Fiepen, Zähneklappern, Drohgebärden). Nach 1-2 Tagen wechseln die Tiere dann den Käfig (oder zumindest Sandbad und Häuschen mit Kuschelmaterial o.ä., falls der zweite Käfig/das abgetrennte Käfigteil zu klein für die alte Gruppe sein sollte!) und man beobachtet weiterhin, wie sie sich am gemeinsamen Gitter verhalten. Das Wechseln in den jeweiligen anderen Bereich führt man solange fort, bis man den Eindruck hat, dass ein erstes direktes Aufeinandertreffen klappen könnte.
Es gibt nicht wirklich den richtigen Tag, weil Degus nun mal vom Charakter her unterschiedlich reagieren und es – leider – auch mal Tiere geben kann, die sich gar nicht vergesellschaften lassen.
Mein Tipp: Das Einfangen von scheuen Degus klappt am besten mit Hilfe von halb geschlossenen Pappröhren oder länglichen Glasvasen, in die die Nager vorsichtig rein geleitet werden.

Der zweite Schritt der Vergesellschaftung ist nun also das erste direkte Kennenlernen.
Dabei kommt es fast immer zu kleineren Rangeleien, schließlich müssen die Degus ja auch eine neue Rangfolge ausfechten und da gibt keiner so schnell seine alte Position auf. Es ist jedoch ein Unterschied, ob die Tiere nur um die Rangfolge kämpfen (-> aufrechtes Stehen, Fiepen und Boxen mit den Vorderpfötchen bis einer der Kontrahenten sich schließlich dreht und dem anderen signalisiert, dass er aufreiten darf, sich quasi einverstanden erklärt in die niedrigere Position zu gehen) oder das neue Tier mit aggressiven Bissen und Jagd durch den ganzen Käfig davon treiben möchten. Solche heftigen Streits müssen unterbrochen werden, da sie zu lebensgefährlichen Verletzungen führen können.
Wenn die Zusammenführung nicht geklappt hat, sollte man die Degus wieder trennen und ein paar weitere Tage die Tiere den Käfig wechseln lassen, bis man das Gefühl hat einen nächsten Versuch starten zu können.
Habt Geduld! Manchmal kann es eine ganze Weile dauern, bis die Nager sich akzeptieren.

Mein Tipp: Die Vergesellschaftung junger Tiere im Alter von 6-8 Wochen gelingt am besten, da die Degus noch eine Art von Welpenschutz haben. Trotzdem kann es jedoch passieren, dass in der “Pubertät” des neuen Tieres – quasi wie aus dem Nichts – Rangstreiteren mit leichteren Verletzungen in der Gruppe auftreten. Dann kann es sinnvoll sein den Streithahn doch noch einmal für eine paar Tage von den anderen per Trenngitter abseits zu halten, bis alle Wunden verheilt sind (denn verletzte Tiere lassen sich meiner Erfahrung nach so gut wie nie versöhnen bzw. vergesellschaften) und ein friedliches Zusammenleben in der Gruppe wieder möglich ist.

Grundsätzlich empfehle ich Anfängern in eine bestehende Gruppe von Degus nur Jungtiere zu vergesellschaften, da die Integration erwachsener Tiere zwar möglich, aber in der Regel deutlich schwieriger ist. Gruppen von ausgewachsenen Tieren lassen sich sogar nur äußerst selten friedlich mit einander vergesellschaften; ein solcher Versuch sollte deswegen nur von einem erfahrenen Halter durchgeführt werden.
Sind Degus mitten in der Pubertät sollte man einen Vergesellschaftungsversuch gar nicht erst unternehmen. Das klappt niemals!

Für weitere Fragen, Infos oder netten Austausch über die Fellkugeln kann ich Euch z.B. diese Facebook Gruppen von Deguhaltern empfehlen:
-> Gruppe: Degufreunde
-> Gruppe: Degus
-> Gruppe: Degus: Gesundheit und artgerechte Haltung (meine eigene Gruppe, die mit medizinischen Themen als Ergänzung zu den anderen Gruppen anzusehen ist)
-> Gruppe: Alena’s Frischfutter für Degus (sehr empfehlenswerte Gruppe, durch die Ihr lernen könnt, welche Pflanzen Ihr aus Wald und Wiesen Euren Degus verfüttern könnt)

Und nicht zuletzt: Wie finde ich einen Tierarzt, der sich auch mit Degus gut auskennt?

Einen guten Tierarzt für Degus zu finden ist definitiv nicht einfach.
Hier findet Ihr eine Liste von Tierärzten, die auf kleine Säugetiere wie Degus spezialisiert sind, sowie ein Link auf eine Webseite von Tierärzten, die sich im Thema Zahnbehandlungen (leider ein häufiges Problem bei Degus) fachlich fortgebildet haben.
Andere Tierärzte-Listen für Degus im Internet kann ich persönlich nicht empfehlen, denn ein”sympathischer Tierarzt” ist noch lange kein kompetenter Nagetierarzt.
-> Liste der AG Kleinsäuger
-> Webseite Tierzahnärzte